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- aktualisiert am 25.02.2018 -

Hornissenkäfer - die Untermieter
Quedius dilatatus Fabricius, 1787
(Früher: Velleius dilatatus)

 

Der Hornissenkäfer (Quedius dilatatus) - oder auch Hornissenkurzflügelkäfer genannte -  wird allgemein als Kommensale (Mitbewohner) bei Hornissen beschrieben, wo er in allen Entwicklungsstadien in den Abfallhaufen lebt und sich von den darin entwickelnden Fliegenlarven, Futterresten der Hornissen, aber auch toten Hornissenimagines und -larven ernährt. Obwohl dieser auffällige Kurzflügler kaum zu übersehen ist - immerhin misst er bis zu 26 mm - gilt er als weithin als selten, da die "Fangumstände", unter denen der Käfer zu erbeuten ist, von den meisten Sammlern gemieden werden. So sind nur relativ wenige Funde bekannt, und vieles hinsichtlich der Biologie und Lebensweise liegt noch im Verborgenen.

Zur Fortpflanzung einige Daten, die bekannt sind:

  • Der weibliche Käfer legt nach der Paarung 9-64 relativ große Eier einzeln in den Abfallhaufen unter dem Hornissennest, aus denen nach 8-15 Tagen Larven schlüpfen. Diese durchlaufen drei Larvenstadien, das erste dauert 8, das zweite 12-13 Tage, das letzte ganze 7-9 Monate.

  • Die im Abfall unter dem Nest lebenden Larven bauen sich kleine Röhren. Bei Hornissennestern in natürlichen Baumhöhlen überwintert die Käferlarve in selbst errichteten kleinen Höhlungen in tieferen Mulmlagen unter dem Nest, in denen sie sich im Frühjahr schließlich auch verpuppt.

  • Die Puppenruhe dauert zwischen 28 und 36 Tage, der fertige Käfer schlüpft dann in der Zeit von Mai bis Mitte Juni.


Bemerkenswertes zum Hornissenkäfer Quedius dilatatus

Gekürzter Auszug aus "Entomologische Nachrichten und Berichte, 38, 1994/1; Verfasser: Christian Kutzscher
Vielen Dank für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung auf unserer Website!

Der Hornissenkäfer - oder auch Hornissenkurzflügelkäfer genannt; Foto: Dieter Kosmeier
 
Foto: Dieter Kosmeier

In einem künstlich angesiedelten (umgesiedelten) Hornissennest konnten folgende Beobachtungen festgestellt werden:

Bereits 14 Tage nach der erfolgreichen Ansiedlung der Hornissen (05.07.) erschienen die ersten drei Hornissenkäfer. Das war insofern erstaunlich, da die zu dieser Zeit von den Hornissen produzierte Abfallmenge aufgrund der noch geringen Größe des Nestes (3 Wabenetagen, ca. 100 Zellen mit etwa 20 Arbeiterinnen) nur unbedeutend war, und sie zudem durch die häufige Reinigung (für Ausstellungszwecke!) stets auf einem Minimum gehalten wurden. Intensive Nestgerüche kamen deshalb fast nicht zustande. Auch verfügte das Nest ja nur über eine enge Verbindung zu Außenwelt (über einen ca. 60cm langen Plastikschlauch, Durchmesser 40mm). Der Einzug der Käfer kann unter diesen Umständen somit zweifelsfrei als einen weiteren Beleg für den ausgezeichnet entwickelten Geruchssinn von Quedius angesehen werden.

Der Hornissenkäfer (Quedius dilatatus) im Abfall unter einem Hornissennest; Foto: Dieter Kosmeier
 Foto: Dieter Kosmeier

Mit Spannung wurde die weitere Entwicklung der Anzahl der Käfer verfolgt. Die Tiere sind äßerst scheu und lichtempfindlich und verbergen sich schon bei der geringsten Störung hinter jeder sich nur bietenden Deckung. Im Verlaufe des Beobachtungszeitraumes (18.06. - 22.10.) konnten einmal bis zu 25 (!) Käfer gleichzeitig erfasst werden. Insgesamt wurden im Beobachtungszeitraum etwa 60 Exemplare abgesammelt.

Hornissenkäfer (Quedius dilatatus), Foto: Dieter Kosmeier
 Foto: Dieter Kosmeier

Bemerkenswerterweise waren des öfteren rivalisierende Käfer zu beobachten, was in einem Fall sogar einen tödlichen Ausgang für einen der beiden Kontrahenten hatte. Diese Beobachtung stand aber ziemlich am Anfang (17.07.), als der Abfallhaufen neben der knappen Nahrung auch nur wenig Deckungsmöglichkeiten bot.

Die Belegstärke je Nest ist wahrscheinlich sehr von der Größe der Abfallmenge abhängig. Durchschnittlich halten sich für gewöhnlich 10 Tiere in einem Nest auf. Interessant ist, dass nach jedem Absammeln alsbald neue Tiere zuflogen, wodurch die Anzahl stets auf etwa diesem Niveau gehalten wurde. Der letzte Zuflug war auf den 15.09. datiert.

Zu der Auffassung, die Hornissenkäfer seien reine Mitbewohner der Nester und keine Raubgäste, sei das folgende geschildert. Dass die Käfer das Hornissennest selbst in der Regel meiden, scheint bei den wehrhaften Eigentümern nicht weiter verwunderlich. Dennoch ist es wohl mehr eine Art von Ihnen ausgehender "Burgfrieden". Es kommt bisweilen aber doch zu Versuchen, direkt im Nest Beute zu machen. So war einmal zu beobachten, wie ein Hornissenkäfer - offenbar von einer Hornisse erdolcht - aus dem Nestinneren zu Boden fiel. Auch waren die Käfer mehrfach beim Verzehren herabgefallener Hornissenlarven zu beobachten; warum sollten sie also freiwillig auf diese Leckerbissen im Nest verzichten?

Hornissenkäfer frisst Hornissenlarve: Foto: Werner Känecke
 
Hornissenkäfer frisst Hornissenlarve; Foto: Werner Könecke

 

Larve des Hornissenkäfers: Foto: Dr. Elmar Billig
 Larve des Hornissenkäfers; Foto: Dr. Elmar Billig

 

Versuche, die Käfer in Hornissenabfällen in einem gesonderten Plastikbehältnis OHNE Hornissen zu züchten, obwohl sich Fliegenmaden darin in großer Zahl entwickelten, schlugen fehl. Alle 13 eingesetzten adulten Tiere und zahlreiche Eier waren bei der Kontrolle nach 14 Tagen sämtlich verendet bzw. verschwunden. Die Fliegenmaden haben sich hingegen bis in die Wintermonate prächtig entwickelt.

Larve des Hornissenkäfers: Foto: Dr. Elmar Billig
 Larve des Hornissenkäfers; Foto: Dr. Elmar Billig

Es scheint also in der Tat eine merkwürdige Abhängigkeit der Käfer zu den Hornissen zu bestehen.

Das trifft nach dem bisherigen Kenntnisstand aber offenbar nur für den europäischen Raum zu. Denn wenngleich Vespa crabro und Quedius dilatatus bis einschließlich Japan verbreitet sind, sind Belege von Quedius dilatatus aus Hornissennestern im gesamten Asien nicht bekannt. Wohl aber liegen Nachweise der Käfer für dieses Gebiet aus anderen Hymenopteren-Nestern (Vespula schrencki und Vespula shidai) vor. In den Nachtstunden nimmt der Hornissenkäfer häufig gerne austretenden Baumsaft auf. Entwicklungsbiologisch dürfte diesen Funden jedoch kaum eine Bedeutung beizumessen sein.

Larve des Hornissenkäfers: Foto: Dr. Elmar Billig
 Larve des Hornissenkäfers; Foto: Dr. Elmar Billig

Manchmal findet man außer Fliegenmaden, dem Hornissenkurzflügelkäfer (Quedius dilatatus) und dessen Larven auch noch den Schwarzen Totengräber (Necrophorus humator) im Hornissennest.

Ein weiterer Hornissenkäfer (Cryptophagus micaceus) gehört zur Familie der Chryptophagidae, den Schimmelkäfern. Dieser Käfer ist nur 2 bis 2,3 mm groß; und ausschließlich aus Hornissennestern bekannt.

>>> HD-Flash-Video zur Hornissenkäferlarve (14 MB)
Tipp: Wenn der Film auf Ihrem PC nicht abspielbar sein sollte, einfach den VLC Media Player installieren.
Downloadmäglichkeit auf der Herstellerseite hier:
http://www.vlc.de/vlc_download.php

 

Nachstehend die Videos klassisch im Format Windows Media File (wmv)

>>> 1. Kurzfilm zur Hornissenkäferlarve

>>> 2. Kurzfilm zum Hornissenkäfer        

 


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